Kanalbau/-betrieb

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5. Düsseldorfer Standpunkte-Seminar

Sanierung von Großprofilen gewinnt an Aktualität


Das Düsseldorfer Standpunkte-Seminar zum Thema Großprofile, eine Veranstaltung des Stadtentwässerungsbetriebs der Landeshauptstadt Düsseldorf, ist längst über ein regionales Ereignis hinaus gewachsen. Die Sanierung bzw. Erneuerung von Großprofilen ist nicht nur ein Düsseldorf-spezifisches Thema, sondern europaweit von höchster Relevanz.

Abschreckendes Beispiel aus der – nicht immer – „guten alten Zeit". Dank fortschrittlicher Bauverfahren und hochwertiger Leitungssysteme gehören solche Bilder wohl endgültig der Vergangenheit an.

Ständig kommen mehr Kanäle und komplette Abwasseranlagen in die Jahre, Rohrleitungen, die um oder sogar vor 1900 entstanden sind und ständig steigende Beanspruchungen und Belastungen zu verkraften haben. Wenn wir uns derzeit beim aktiven Umweltschutz nicht unbegründet intensiv der CO2-Reduzierung widmen, so dürfen wir dennoch nicht die Abwasserprobleme vernachlässigen, weil wir hier bisher kaum erfassen konnten, wie stark inzwischen unser Erdreich mit aggressiven Abwässern besonders in den Ballungsgebieten durch Kanalschäden belastet wird. Heute ist mit Hilfe hochmoderner Kontrollverfahren, die von Städten und Gemeinden entwickelt bzw. genutzt werden, das Aufgabenspektrum im Bereich der Sanierung und Erneuerung insbesondere bei Großprofilen wesentlich transparenter geworden. Tiefbau-Fachleute gehen davon aus, dass ein Großteil unseres alten Kanalnetzes sanierungs- bzw. erneuerungsbedürftig ist.

Ein ganze Palette
nachhaltiger Lösungen

Ingenieure, Technologen und Produkthersteller sind, wie in Düsseldorf überzeugend dokumentiert wurde, nicht untätig gewesen, haben innovative Technologien und Sanierungsverfahren entwickelt, die nachhaltige Lösungen versprechen.
In seiner Einführung zum Seminar fasste Dr. Claus Henning Rolfs, Technischer Leiter des Stadtentwässerungsbetriebs der Landeshauptstadt Düsseldorf, „das facettenreiche Angebot an Problemen und Lösungen“ wie folgt zusammen:
- Wir schauen in diesem Jahr über den Tellerrand und hören von Referenten aus Moskau über erste Erfahrungen mit Polymerbeton bei der Renovierung eines Großprofils, die von einem deutschen mittelständischen Unternehmen entwickelt und ausgeführt wurde.
-  Die Wickelrohrtechnik aus Japan eröffnet innovative Möglichkeiten der Sanierung.
- Das Noppenschlauchverfahren ist eine Technik, über die anhand eines aktuellen Projektes, das in einem Düsseldorfer Chemiewerk realisiert wurde, zeitnah berichtet wurde.
- Ergänzt wurden diese Themen durch Vorträge  über Maßnahmen in Köln sowie die Ertüchtigung eines Gewässerdurchlasses in Düsseldorf.
- Die Emscher-Verrohrung bleibt noch in den nächsten Jahren ein spannendes Thema.
- Die Zustandsbewertung von großen Bauwerken im Abwassernetz bot viele Ansatzpunkte zu konstruktiven Diskussionen.
Abgerundet wurden die lebhaften Diskussionen unter den rd. 180 Teilnehmern in den großzügig dimensionierten Pausen mit Gesprächen an den zahlreichen Ausstellungsständen von Produktherstellern, die in diesem Jahr bereits zwei Foyer-Räume füllten und die Vortragsthemen durch zielgruppengerechte Produktanwendungen und innovative Sanierungskonzepte ergänzten. Ein sicheres Indiz  für die Qualität der Vortragsthemen, aber auch der Teilnehmer, die zusätzlich viele wertvolle Informationen „schwarz auf weiß nach Hause tragen“ konnten.
Fazit, das Dipl.-Ing. Manfred Schneider, langjähriger Leiter der Planungs- und Bauabteilung im Stadtentwässerungsbetrieb mit einem Satz auf den Punkt gebracht hat: “Was wir heute vernünftig sprich nachhaltig bauen, erspart uns  bereits morgen aufwändige Sanierungsmaßnahmen. Solide Leistungen gibt es jedoch auch in Zeiten enger Budgets nicht zu Schnäppchen-Preisen. Es gilt vielmehr, Funktionalität,  Qualität und Preis auf einen vernünftigen Nenner zu bringen.

Auf einem 143 ha großen Werksgelände mit fast 400 Gebäuden verfügt das Henkel-Werk mit rd. 400 km über eines der größten privaten Kanal- und Rohrleitungsnetzes in Düsseldorf. Eingebunden ist ein Werkssammler großer Dimension sowie eine eigene Abwasserzentrale, in der das Abwasser neutralisiert wird und erst dann dem Düsseldorfer Kanalnetz zugeleitet wird. Ein Großteil der jährlichen Investitionen fließt in die Sanierung der z.T. stark belasteten Kanäle und Leitungen. Ein neues Noppenschlauch-Verfahren auf PEHD-.Basis ist resistent gegenüber den aggressiven Einflüssen, auch in Kanälen großer Durchmesser.

Ideenbörse mit Magnetwirkung

Und noch eine Erkenntnis ist für künftige Aufgaben zu bedenken:  Die hoch gesteckten Ziele in einem äußerst sensiblen Umweltbereich sind  nur dann erfolgreich zu meistern, wenn – wie ein Tagungsteilnehmer treffend formulierte – alle am Kanalbau Beteiligten noch näher zusammenrücken, sich offen austauschen und gute Erfahrungen in neue Konzepte  einbeziehen. Und hier ist die Düsseldorfer „Ideenbörse“  eine wahre Fundgrube mit Magnetwirkung. Das Konzept, Wissen nicht nur in Form von Monologen zu vermitteln, sondern, wie gesagt, dieses im Auditorium und während der Pausen zur Diskussion zu stellen, macht diese Veranstaltung in Verbindung mit einem attraktiven Baustellenprogramm, über das separat berichtet wird, so wertvoll. Dass deutsches Know-how auch in Moskau für die Renovierung eines Großsammlers mit Polymerbeton-Elementen von einem deutschen Spezialunternehmen entwickelt und erfolgreich ausgeführt wurde, unterstreicht den Wert enger Zusammenarbeit, auch über unsere Ländergrenzen hinaus. Neue Sanierungskonzepte, wie sie in Düsseldorf diskutiert wurden, tragen wesentlich dazu bei, zu retten, was zu retten ist!
Auf der Suche nach weiteren Innovationen für den Tiefbau können wir vielleicht auch von den Bionikern lernen, die wie in Düsseldorf von einem Vertreter des Internationalen Bionik-Zentrums nachgewiesen wurde, von Leonardo bis  heute wertvolle Wurzeln für technische Erfindungen  aus der Tier- und Pflanzenwelt gefunden haben. Auch der französische Gärtner und Erfinder Joseph Monier soll bei der Erfindung des Stahlbetons von der Natur inspiriert worden sein.

Das Standpunkte-Seminar 2010
ist bereits terminiert

Zum Schluss  ein Kompliment  an den  Veranstalter, der sowohl in der Auswahl der Referenten als auch der Baustellen wieder eine glückliche Hand hatte, was durch die hohe Teilnehmerzahl entsprechend honoriert wurde.  Das Referat Öffentlichkeitsarbeit und Kundenorientierung unter Leitung von Birgit Bremmenkamp nahm  das Lob der Gäste für die professionelle Gestaltung, vorbildliche Organisation und die fast familiäre Atmosphäre einer abwechslungsreichen Zweitages-Veranstaltung gern entgegen, was auch viele bisher Außenstehende animieren sollte,  in diesem Jahr  mit von der Partie zu sein. Die Vorbereitungsarbeiten für das Standpunkte-Seminar 2010 laufen bereits auf vollen Touren, um wieder aktuelle Themen und  neue Baustellen-Highlights für ein anspruchsvolles Publikum vorzubereiten. Fest steht auch schon der Termin: 16./17.11.2010 (Infos unter birgit.bremmenkamp@ duesseldorf.de).