Rohrleitungsbau:
Eine Branche verändert ihr Gesicht
BERLIN, 25.02.13 – Deutschland hat sich für eine grundlegende Veränderung seiner Energieinfrastruktur entschieden. Über „Energieinfrastruktur im Wandel“ wurde auf der 20. Tagung Rohrleitungsbau diskutiert. Die Branche stellt ernüchtert fest, dass die Herausforderungen viel größer und komplexer sind als erwartet.
„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Akteure bereit und in der Lage sind, für das Gesamtsystem Verantwortung zu übernehmen.“ rbv-Präsidentin Gudrun Lohr-Kapfer
Auf der Tagung, die am 22. und 23. Januar in Berlin stattfand, diskutierten der Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv) und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. (HDB) mit ihren Mitgliedern die derzeitige Lage und das, was in Zukunft sinnvoll und realisierbar erscheint.
Das zweite Jahr nach dem Start der Energiewende ist vorüber; Gesetze, Pläne und Zeithorizonte werden erlassen, aufgezeigt, verändert und neu geschrieben. Allerdings krankt die Umsetzung der gigantischen Aufgabe, die sich in die vier Arbeitsfelder Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Verbrauch gliedert, nach Meinung von RA Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des HDB, vor allem daran, dass Deutschland bei der Erzeugung dem Soll-Plan um Jahre voraus ist, in allen anderen Bereichen wie z.B. dem Netzausbau, aber deutlich hinterherhinkt.
Referenten geben Antworten
Die Frage, wie es mit der Energiewende weitergeht, versuchte Stefan Kapferer, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, in seinem Vortrag zu klären. Für Hildegard Müller, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., gibt es den allgemeingültigen Masterplan nicht. „Zentrale vs. dezentrale Energieversorgung – gegenläufige Trends oder gemeinsame Perspektive?“ lautete der Titel ihres Beitrages, in dem sie feststellte, dass beide Varianten für die Zukunft von Bedeutung sind.
Heinrich Busch, Vorstandsmitglied beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW), vertrat die Meinung, dass die Gasnetze nicht unbedingt noch intelligenter werden, sondern die vorhandenen Ressourcen an Technik und Netz im Zuge der Energiewende zunächst ausgeschöpft und genutzt werden müssten. Den Brückenschlag von der Forschung zur Praxis vollzog Gerrit Brunken, Geschäftsführer nPlan engineering GmbH, mit seinem Referat über „Biogas und Power to Gas – Chancen für den Leitungsbau?“.
Komplettiert wurde das Programm durch Vorträge zu Themen, wie z.B. „Schiefergas in Deutschland“, „Fördermöglichkeiten des Netzausbaus durch das KWKG“, „Breitbandausbau – Markteinstieg für Leitungsbauunternehmen“ und „Work-Life-Balance – Bewältigung zukünftiger Anforderungen in Beruf und Familie“ weiterer renommierter Referenten.
Großes Interesse: Viele Mitglieder des rbv folgten der Einladung nach Berlin, um mit Fachleuten der Branche über die Auswirkungen der Energiewende in Deutschland zu diskutieren.
Verantwortung übernehmen und handeln
In Ihrem Fazit richtete die rbv-Präsidentin Gudrun Lohr-Kapfer den Blick nach vorn: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Akteure bereit und in der Lage sind, für das Gesamtsystem Verantwortung zu übernehmen“. Ihrer Meinung nach sollte vor allem Versorgungssicherheit als hohes Gut angesehen werden. Deshalb ist es wichtig, dort, wo es vordringlich ist, die Verteilnetze auszubauen. Für die Leitungsbauer wird es von größter Wichtigkeit sein, wie schnell und in welchem Maße sich der Netzentwicklungs- bzw. Bundesbedarfsplan entwickelt und realisiert wird, damit sie ihre Kapazitäten darauf abstimmen können. Dies gilt insbesondere für ihre weitere strategische Ausrichtung, der Investitions- und Personalplanung sowie der Aus- und Weiterbildung. bi
Den ausführlichen Bericht über die Tagung lesen Sie in der nächsten bi-UmweltBau.