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Neue Großbohranlage von Max Wild

Bohren aus der Steckdose

Das Unternehmen Max Wild steigt in die Großbohrtechnik ein und tut dies mit einer selbst gebauten Eigenkonstruktion. Bei dieser HDD-Anlage wurde erstmals ein Antriebskonzept realisiert, das für Bohrgeräte dieser Art völlig neu ist.

 

Die MW 1125/45 verfügt über ein völlig neues Antriebskonzept: Das Bohrgerät wird komplett mit Strom betrieben.

Dort, wo ein Anschluss an das Stromnetz möglich
ist, arbeitet die Anlage außergewöhnlich leise und
praktisch ohne Abgasemissionen.

 

Autor: Artur zu Eulenburg     

Der Bohrschlitten bewegt sich wie von Geisterhand, lediglich ein leises Surren verrät die Arbeit der Elektromotoren, die für die 250 Tonnen Schub- und Zugkraft und für 110.000 Nm Drehmoment der komplett mit Strom betriebenen Anlage verantwortlich sind. Kurzzeitig sind bis zu 450 Tonnen Zugkraft möglich, wie die Anlage bei ihrem ersten Testeinsatz unter Baustellenbedingungen unter Beweis stellen konnte: Bei Anklam zog die MW 1125/45  dort, wo die Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung OPAL die Peene quert, eine rund 1000 Meter lange Stahlleitung mit einem Durchmesser von 1400 Millimetern in den vorher im Microtunnelling-Verfahren hergestellten Düker aus Stahlbeton-Vortriebsrohren und bestand so unter Baustellenbedingungen erfolgreich ihre Feuertaufe.

Seit 1998 ist das Familienunternehmen Max Wild in der Horizontalbohrtechnik aktiv. Der Gerätepark umfasst heute 13 Bohranlagen vom Hausanschlussbohrgerät bis zur 80-Tonnen-Anlage. Als der Bedarf nach einer größeren Anlage immer konkreter wurde, schauten sich die Verantwortlichen im Unternehmen zunächst bei den etablierten Herstellern von Großbohranlagen um. „Mit unserer langjährigen Erfahrung als Horizontalbohrspezialist hatten wir konkrete Ansprüche an eine umweltfreundliche Anlage für künftige Aufträge. Da unsere bisherigen Anlagenpartner unsere Wünsche allerdings für nicht realisierbar hielten, haben wir die neue Anlage jetzt in einem 20monatigen Projekt selbst entwickelt.“, sagt Christian Wild, Leiter des Geschäftsbereichs Horizontalbohrtechnik bei Max Wild. Unterstützt wurde das Unternehmen hierbei durch das Bundesministerium für Wirtschaft, das den innovativen Ansatz dieses Projektes für förderwürdig erachtete und entsprechende Mittel bewilligte.

Ganz ohne Hydrauliköl

Grundidee des neuen Konzeptes war es, die bisher üblichen Hydraulikantriebe durch moderne Elektromotoren zu ersetzen und sich damit einer Reihe von Vorteilen und neuen Möglichkeiten zu erschließen.
Der erste Aspekt ist die Umweltfreundlichkeit. Die MW 1125/45 arbeitet komplett ohne Hydrauliköl. Verschmutzungen in Folge geplatzter Hydraulikschläuche sind damit ausgeschlossen. Ein Argument, das gerade bei Bohrungen in ökologisch sensiblen Bereichen, wie beispielsweise dem Wattenmeer, bei potentiellen Auftraggebern oder Genehmigungsbehörden für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Das einzige hydraulisch betriebene Bauteil ist die Mechanik zum Klemmen und Brechen des Bohrgestänges, hier wird jedoch Wasser als Hydraulikflüssigkeit eingesetzt.
Als einen wesentlichen Vorteil der neuen Anlage bezeichnet Markus Hörmann, Leiter der Abteilung Systementwicklung bei Max Wild, die Flexibilität. „Mit der Energieschnittstelle des Systems können wir den Strom je nach Lage der Dinge direkt aus dem Stromnetz oder aus einem Stromaggregat holen. Wir können das Stromaggregat danach auswählen, was die Bohraufgabe an Leistung erfordert und haben damit immer eine sehr hohe Energieeffizienz.“ Außerdem ist es mit der Anlage unproblematisch, auch zukünftige Abgasvorschriften und Grenzwerte einzuhalten: Beim Anschluss an das örtliche verfügbare Stromnetz arbeitet die Anlage mit „Null-Emission“, und bei den Stromaggregaten können Geräte verwendet werden, die immer dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.

Als weiteren Vorteil sieht Hörmann die Steuerungs- und Regeltechnik der modernen Elektromotoren. „Wir können ohne zusätzliche Sensoren genau und zuverlässig Zugkraft und Drehmoment begrenzen.“ Entsprechendes gilt für die Dokumentation der wesentlichen Parameter der Bohrung.
Ein zusätzliches Argument ist die Ausfallsicherheit. „Wenn bei uns ein Elektromotor durchbrennt, bedeutet das nicht automatisch den Stillstand der Anlage, denn wir können  - zwar mit verminderter Leistung – mit den anderen Motoren problemlos weiterfahren,“ so Hörmann. „Wir haben alles mindestens zweimal an Bord und können so die Verfügbarkeit der Anlage hoch halten.“

Ersteinsatz in Nürnberg

Angesichts der vielen Argumente für das völlig neue Antriebskonzept der MW 1125/45 sind die Erwartungen für die folgenden Praxiseinsätze hoch gesteckt. Der Erste ist nicht mehr fern: Max Wild erhielt den Auftrag zur Verlegung einer Abwasserdruckleitung im HDD-Verfahren in Nürnberg  und will die neue Bohranlage hier erstmals für eine komplette Bohrung einsetzen. Die Fachwelt wird diesen Einsatz sicher aufmerksam verfolgen. Denn wenn das Konzept so funktioniert, wie dies seitens der Entwickler vorhergesagt wird, dann wird die MW 1125/45 sicher kein Einzelstück für den Firmeninternen Einsatz bei Max Wild bleiben. Bei dem Unternehmen ist man jedenfalls Kooperationen mit Herstellern und Anwendern gegenüber aufgeschlossen, hieß es bei der Präsentation der Anlage in Berkheim.