Geothermie

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Gemeinsam für Qualität werben

Wenn Menschen gemeinsam Strategien entwickeln, Probleme lösen oder voneinander lernen wollen, tun sie das in einem Workshop. Wie gut dies auch in der Geothermie funktionieren kann, zeigte der Pumpenhersteller Stock big im September an seinem Firmensitz bei Hamburg.

Die Servicehalle von Stock wurde kurzerhand zum Vorführ- und Schulungsbereich umfunktioniert. | Foto: Stock big

 

Eine Maschinenvorführung des Verfüllbaustoff-Hersteller Fischer Spezialbaustoffe GmbH für den langjährigen Kunden MGS Europe GmbH diente als Vorlage, um einen Dialog mit Kunden und ausführenden Unternehmen anzustoßen. Die Firma Stock B.I.G. in Siek bei Hamburg, bei der MGS eine Maschine für den englischen Markt testete, wurde als Gastgeber für den Workshop auserkoren. Eingeladen waren Brunnenbauer und Behördenvertreter aus Schleswig-Holstein und den angrenzenden Bundesländern. Ziel des Workshops war es, ausführende Unternehmen, Behördenvertreter und die Industrie in entspannter Atmosphäre an einen Tisch zu bringen. Das Interesse der Industrieunternehmen an den Erfahrungen der Brunnenbauer und Geothermie-Bohrunternehmen war groß. Wie gut die Netzwerke in der Geothermie funktionieren, merkte man den Anmeldungen an, denn neben Behördenvertretern und verschiedenen Anwendern aus dem Bereich Geothermie meldeten sich Partner aus dem Industriebereich und sogar ein Großhändler aus Tschechien an, der eigens mit einem Dolmetscher angereist war.

Verpresstechnik zum Anfassen

In Siek gab es am 17. September Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch, bei dem alle Beteiligten ihren Beitrag leisten konnten. Der Gastgeber Stock, die Fischer Spezialbaustoffe GmbH und die Firma MGS hatten am Morgen in der zum Vorführbereich umgestalteten Servicehalle für die Geopump HY ein Hydraulikaggregat in Stellung gebracht und die Technik sowie verschiedene Exponate vorbereitet. Während draußen der Grill auf Betriebstemperatur gebracht wurde, führte Ulrich Stock, Niederlassungsleiter des Unternehmens in Siek, zusammen mit einem Techniker in die Maschinentechnik ein. Dabei nutzte er die Gelegenheit, die im Februar 2010 vorgestellte, hydraulisch angetriebene No. 2 Geopump HY im Praxisbetrieb vorzuführen, ohne dass die Zusammenkunft den Charakter einer Verkaufsveranstaltung bekam. Dafür entwickelten sich intensive Gespräche, und die Hersteller erhielten eine Fülle verschiedener Anregungen für die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Ob man die Maschine mit einem größeren Aufgabetrichter bekommen könne, ob nicht ein Füllstandssensor sinnvoll sei, oder ob sich der Trichter mit Big Bags befüllen lasse, lauteten zum Beispiel die Fragen der Teilnehmer. Um die Maschinen im Einsatz zu zeigen, wurde der Verpressbaustoff GeoSolid 235 von Fischer über einen Mörteldruckschlauch in einen Container gepumpt. Fischer-Vertriebsleiter Thomas Popp maß zur Bestimmung der richtigen Konsistenz die Dichte mit einer Spülungswaage und füllte eine Probe in einen Zylinder, um das Absetzverhalten zu kontrollieren.


Thomas Popp misst mit einer Spülungswaage die Dichte der Verfüllsuspension. | Foto: bi/Ste

 

Kunden und Umwelt im Blick

„Thermisch verbesserte Verfüllbaustoffe – behördliche Anforderungen – Einsatzgebiete“ lautete der Titel der Präsentation von Thomas Popp, Vertriebsleiter der Fischer Spezialbaustoffe GmbH aus dem bayerischen Heilsbronn. Die Vorteile der „GeoSolid“ Verfüllbaustoffe liegen nach Angaben von Popp in erster Linie in der hohen Wärmeleitfähigkeit des Fertigbaustoffes sowie den guten Frosteigenschaften und dem geringen Wasserdurchlässigkeitsbeiwert. Der Anwender müsse aufgrund des hohen Feststoffgehaltes selten bis gar nicht nachverpressen, sagt der Hersteller. Die behördlichen Anforderungen hinsichtlich der thermischen Eigenschaften und der Umweltverträglichkeit werden von GeoSolid größtenteils übererfüllt.

Zertifizierung schafft Vertrauen

Im zweiten Teil des Meetings gab Bernhard Heinrichs, Abteilungsleiter Geothermie und Brunnenbau bei MGS, eine Übersicht über die qualitätsrelevanten Prozesse bei Geothermiebohrungen. Er betonte die besondere Bedeutung der Qualitätskontrolle bei der Bohrlochverfüllung sowohl für die Performance als auch für die Umweltverträglichkeit der Anlagen. Nach DVGW AB W 120 zertifizierte Bohrunternehmen wiesen dabei den hohen Qualitätsstandard ihrer Leistungen nach. Noch seien jedoch unzureichende Fachkenntnisse und technische Ausrüstung von Bohrteams häufige Fehlerquellen, sagt der Geologe. Defizite sieht Heinrichs außerdem in der häufig unzureichenden Klärung der geologischen und hydrologischen Verhältnisse im Vorfeld der Bohrarbeiten. Die Dokumentation der Vereinbarungen zwischen Kunden und Bohrunternehmen sowie für die Arbeiten sei häufig lückenhaft und unzureichend.  Die fehlerhafte Ausführung von Arbeiten führe schließlich zu Streitigkeiten zwischen Bohrunternehmen und Kunden. Dabei ist Qualitätssicherung in Heinrichs‘ Augen nicht zwangsläufig ein Kostentreiber – im Gegenteil: „Ein konsistentes und nachhaltiges Qualitätssicherungssystem ist nach meiner Meinung zumindest mittelfristig ein Instrument zur Kostenersparnis, da Kundenunzufriedenheiten vermieden und Arbeitsabläufe optimiert werden“, sagte er. Aus der Sicht der Bohrunternehmen ist daher jede Maßnahme zur Qualitätssicherung eine Investition in Kundenzufriedenheit und Rechtssicherheit und damit in die Zukunft des eigenen Betriebs. Außerdem kann das Unternehmen das Qualitätssicherungssystem sozusagen als Nebenprodukt zur kontinuierlichen Verbesserung seiner Arbeitsabläufe nutzen.

Überwachung gefordert

Bei den Zuhörern gab es in dieser Frage durchaus abweichende Meinungen. Ein Teilnehmer des Workshops bemängelte, dass gerade in den Boomjahren der Geothermie die Zertifizierung nach Arbeitsblatt W 120 der DVGW inflationär gebraucht worden sei und sich daher nur noch eingeschränkt als Qualitätsmerkmal eigne. Er sprach sich für eine schärfere Zertifizierung von Bohrunternehmen aus, um den Wildwuchs in dem Gewerbe zu begrenzen und die teils überforderten Baubehörden zu entlasten. Es wurde auch die Vermutung geäußert, dass aufgrund dieser Arbeitsüberlastung die Überwachung durch die Zertifizierungsstellen vernachlässigt werde – mit den sichtbaren Folgen für die Qualität von Bohrvorhaben. Schon seit Jahren wird in der Branche der Vorwurf geäußert, es seien in der Goldgräberstimmung der Geothermie-Boomjahre aus der Not heraus Unternehmen zertifiziert worden, die nicht die geforderten Qualifikationen besaßen. Die DVGW plant indes die Herausgabe eines speziellen zweiten Teils dieses Arbeitsblattes, der spezielle Anforderungen an Geothermie-Bohrunternehmen enthält. Mit dem Inkrafttreten dieses zweiten Teils ist aber wohl erst in ein oder zwei Jahren zu rechnen.

Qualität setzt sich durch

Das Ende der Veranstaltung stand dann wieder ganz im Zeichen der Diskussion. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie einheitliche Standards für die Ausführung von Erdwärmesondenanlagen geschaffen und schwarze Schafe aus der Branche verdrängt werden können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass einheitliche Richtlinien für die Planung und Installation von Geothermie-Bohrungen in ganz Deutschland anzustreben sind, weil sie allen Beteiligten nützen. Es wurde aber auch betont, dass die geforderten Standards überwacht werden müssen, um Chancengleichheit zu gewährleisten. Einigkeit herrschte jedenfalls in dem klaren Bekenntnis zur qualitativ hochwertigen Ausführung der Anlagen. Der gute Ruf der Branche dürfe nicht durch unsachgemäße Ausführung einzelner in Verruf gebracht werden, lautete das einhellige Urteil der Geothermie-Fachleute.
Das Fazit der Referenten, des Gastgebers sowie auch der Besucher fiel durchweg positiv aus. Folgeveranstaltungen für den Süden, eventuell Berlin und den Raum Nordrheinwestfalen sind bereits in Planung und für das Frühjahr und den Herbst 2011 angedacht. Auch für diese Workshops wünschen sich die Veranstalter viele Teilnehmer und gute Gespräche.


www.stockbig.de
www.fischer-spezialbaustoffe.de
www.mgs-europe.de