Rohrvortrieb

Premiere für Direct Pipe in den USA > mehr...

1,7 Kilometer Rohrvortrieb durch schwierige Geologie > mehr...

Stadt Bielefeld baut grabenlos > mehr...

Pipelineverlegung: Herrenknecht entwickelt „Pipe Express“ > mehr...

Energie: Abwasserkanäle als Nahwärmenetz nutzen > mehr...

Termin: 10. Deutscher Schlauchlinertag in Berlin > mehr...

Kleinigkeit oder Riesenproblem: Optische Mängel > mehr...

Wie im "Holodeck": Terminal visualisiert Architekten-Pläne > mehr...

GrünBerlin: Nachhaltigkeits-Preis für Britzer Garten > mehr...

Achtung: Ab jetzt gilt Zeckenalarm! (mit Video) > mehr...

Unterirdische Verlegung in Kolumbien

Pilotrohrvortrieb in Bogota

Bei der unterirdische Verlegung von zwei Kilometern Schmutzwasserkanal in Bogota kam nach dem Jahr 2007 jetzt zum zweiten Mal das Pilotrohrvortriebsverfahren zum Einsatz. Kurze Haltungslängen und ein weicher Boden sprachen für diese Variante.

 

Aufgrund der einfachen Maschinen- und Verfahrenstechnik können Kanäle kleiner Nennweiten auch bei kurzen Haltungslängen äußerst wirtschaftlich unterirdisch verlegt werden.

 

Von Dr.-Ing. Gregor Nieder, Alsdorf

Im August 2007 hatte in Kolumbiens Hauptstadt Bogota im Stadtteil Fontibon im Rahmen des Projektes „Construccion del Allcantarillado Pluvial des Fontibon Oriental Fase II“ die unterirdische Bauweise durch Pilotrohrvortriebe zur Verlegung von Schmutzwasserkanälen kleiner Nennweiten erfolgreich Einzug gehalten.
Im Juni 2010, also fast genau 3 Jahre später, kam mit einer BM 500 aus dem Hause Bohrtec wieder eine Pilotbohrmaschine in Bogota zum Einsatz.
Die Firma Microtunel S.A de C.V erhielt vom Auftraggeber - Empresa de Acueducto y Alcantarillado de Bogota E.S.P – den Auftrag zur Erneuerung eines Schmutzwasserkanals in der Straße „Calle 94“. Das Projekt mit einem geschätzten Gesamtbudget von 3,5 Mio. USD beinhaltet den Neubau von 1.955 m Abwasserkanal DN 300 und DN 400.  Die „Calle 94“ liegt die in einem Wohn- und Geschäftsviertel mit sehr hohem Verkehrsaufkommen. Der bestehende Abwasserkanal ist durch Wurzeleinwuchs in seiner hydraulischen Leistungsfähigkeit so stark beeinträchtigt, dass die Verlegung eines neuen Schmutzwasserkanals unumgänglich ist. Dieser neue Abwasserkanal wird im Bereich der äußeren Fahrbahn in der Nähe des Gehweges verlegt.
Insgesamt werden 1.485 m Stahlbetonvortriebsrohre DN 300 und 470 m Stahlbetonvortriebsrohre DN 400 unterirdisch in einer Tiefe zwischen 3 und 4 m verlegt. Es sind insgesamt 14 Startschächte und 16 Zielschächte herzustellen.
Da die Haltungslängen mit max. 100 m verhältnismäßig kurz sind und es sich beim Baugrund um relativ weichen Boden handelt, ist das Projekt für Pilotrohrvortriebe geradezu prädestiniert. Hinzu kommt die Tatsache, dass Pilotrohrvortriebe insbesondere durch kurze Rüstzeiten und einen geringen Baustelleneinrichtungsaufwand gekennzeichnet sind. Eine minimale Beeinträchtigung des Verkehrs in dem Wohn- und Geschäftsviertel der Kolumbianischen Metropole um die „Calle 94“ konnte somit gewährleistet werden.

Die Stahlschutzverrohrung mit einem Durchmesser von 279 mm erreicht den Zielschacht.

 

Um eine optimale Vorbereitung und einen reibungslosen Baustellenablauf von Anfang an sicherzustellen, wurde vor Beginn der Vortriebsarbeiten auf einem abgelegenem Industriegelände in Bogota zusammen mit dem Bedienpersonal von Microtunel S.A. und dem Schulungspersonal von Bohrtec eine komplette Bohrung ausgeführt. Eine sicherlich nicht alltägliche Vorgehensweise, die sich aber anschließend bei der Vorbereitung und Durchführung der ersten Vortriebe als goldrichtig erwies. So wusste die Crew von Anfang an, worauf es bei einem Pilotrohrvortrieb besonders ankommt und wie durch eine optimale Baustellenvorbereitung eine maximale Performance zu erreichen ist.
Die Firma Microtunel S.A., ein erfahrener Anwender von Mikrotunnelmaschinen  mit hydraulischer Förderung setzte für das Projekt in Bogota eine BM 500 aus dem Hause Bohrtec ein. Für die beiden zu pressenden Rohrdurchmesser DN 300 und DN 400 wäre auch eine BM 400 ausreichend gewesen. Antonio Torres, Inhaber von Microtunel S.A., entschied sich jedoch zum Kauf einer BM 500, da er mit der für einen 3,2 m Standardpressschacht konzipierten Maschine in Zukunft Vortriebsrohre mit Außendurchmessern von bis zu 1000 mm pressen möchte.
Aufgrund des anstehenden Bodens (weicher Lehm) entschieden sich Anwender und Maschinenhersteller gemeinsam für das sogenannte Dreiphasen – Verfahren. Nach der gesteuerten Pilotbohrung wird hierbei mit einer Stahlschutzverrohrung Ø 279 mm aufgeweitet. Im dritten Verfahrensschritt wird dann auf den Außendurchmesser der Vertriebsrohre aufgeweitet. Der abgebaute Boden wird in den Zielschacht gefördert. Diese Verfahrenstechnik erlaubt es, mit ein und derselben Stahlschutzverrohrung verschiedene Vortriebsrohrdurchmesser abzudecken.
Nach der sogenannten „Übungsbohrung“ wurden auch die ersten beiden Pressungen auf der „Calle 94“ gemeinsam mit dem Schulungspersonal von Bohrtec ausgeführt. Anschließend war die Bedienmannschaft von Microtunel S.A. bestens vorbereitet, um auch die weiteren Bohrungen ohne Probleme fertig stellen zu können.
Wie schon im Jahr 2007, als Pilotrohrvortriebe erstmals in Bogota im Stadtteil Fontibon erfolgreich zum Einsatz kamen, zeigte sich nun im Rahmen des Projektes „Erneuerung des Schmutzwasserkanals in der Straße Calle 94“, dass aufgrund der einfachen Maschinen- und Verfahrenstechnik Kanäle kleiner Nennweiten äußerst wirtschaftlich auch bei kurzen Haltungslängen unterirdisch verlegt werden können.