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Schwerkraft statt Pumpenleistung

Die Stadt Laatzen setzte bei einer Kanalerneuerung für die großvolumige Wasserhaltung erstmals eine Heberleitung ein. Das System hat bei diesem Einsatz alle Erwartungen des Auftraggebers rundum erfüllt.

Der Zulaufschacht: Hier ist bei Regenwetter
mit bis zu 1000 l/sec Wasser zu rechnen.

Die 1000er Stahlleitung überbrückt den zu
erneuernden Kanal auf einer Länge von 340 Metern.

Für Joachim Anders ist mit der Heberleitung für
dieses Bauvorhaben die optimale Lösung zur
Aufrechterhaltung der Vorflut gefunden.

Joachim Anders ist Angestellter der Stadt Laatzen im Zuständigkeitsbereich Straßen- und Kanalbau. Unter seiner Leitung wurde jetzt in der Ulmer Straße ein etwa 340 Meter langer Regenwasserkanal DN 800 erneuert, der im Wesentlichen für die Entwässerung eines Teils des angrenzenden Geländes der Hannover Messe zuständig ist. Die Erneuerung war notwendig, da der rund 60 Jahre alte Kanal aus Beton-Falzrohren gravierende Schäden aufwies und darüber hinaus inzwischen hydraulisch überlastet war. Im Zuge der Kanalbauarbeiteten in dem Gewerbegebiet sollte die stark mit Schwerlastverkehr frequentierte Straße, die ebenfalls erhebliche Schäden aufwies Grunderneuert werden. Ersetzt wird der alte Regenwassersammler durch einen neuen Betonkanal DN 1200.
Als Joachim Anders an die Planung dieser Maßnahme ging, stellte sich neben den nicht ganz einfachen logistischen Randbedingungen für eine Baustelle dieser Größenordnung in einem pulsierenden Gewerbegebiet vor allem eine Herausforderung: Wie ist über die Bauzeit hinweg die Vorflut mit einer Kapazität von bis zu 1000 l/sec aufrecht zu erhalten.
Der Gedanke, den alten Kanal während der Bauarbeiten in Betrieb zu behalten und den neuen Sammler parallel zu verlegen schied aus Platzgründen aus, eine erdverlegte 20 kV Stromleitung lag dem im Wege.
Die zweite Möglichkeit, das anfallende Wasser zu Pumpen, hätte bei der Menge und über die Zeit von rund zweieinhalb Monaten hinweg neben den entsprechenden Gerätekosten einen erheblichen Energieaufwand erfordert. „Vor diesem Hintergrund habe ich mich dazu entschlossen, eine Heberleitung auszuschreiben“, erklärt Joachim Anders, der diese Technik bei dem Bauvorhaben erstmals in der Stadt Laatzen einsetzen wollte.
Hierzu wurde eine Stahlleitung mit einem Durchmesser von 1000 Millimetern gebaut, die drei Düker enthält, um die Zufahrten zu den Anliegenden Betrieben nicht zu blockieren.
Das System funktioniert nach dem physikalischen Prinzip der kommunizierenden Röhren ohne den Einsatz von Fremdenergie. Die Leitung in Laatzen hat ein Gefälle über die 340 Meter vom Zulauf-  bis zum Ablaufschacht von 1,40 Meter. Im Zulaufschacht taucht die Leitung immer mindestens einen Meter ins Wasser ein, denn sie darf auf keinen Fall Luft ziehen. Sobald die Wassersäule abreißt, läuft die Leitung komplett leer. Deshalb sind entlang der Stahlleitung  an Hochpunkten automatische Entlüftungsstutzen angebracht, die helfen, das konstante Vakuum in der Leitung aufrecht zu erhalten. Auch die Einbindung von drei Seitenzuläufen der Dimensionen DN 300, DN 400 und DN 600 in die Heberleitung nach dem gleichen Wirkungsprinzip stellte kein Problem dar. Die dafür erforderlichen Seitenarme können bei entsprechendem Baufortschritt mit Schiebern abgesperrt werden.
Der Bau der Stahlleitung und der Betrieb der Anlage wurde in Laatzen von der Firma Heber 2000 aus Hennef als Nachunternehmerleistung für das Tiefbauunternehmen Hagemann & Knust aus Walsrode als Hauptauftragnehmer erbracht. Einmal in Gang gesetzt läuft das System über die gesamte Einsatzzeit wartungs- bedienfrei. Um eventuelle Störungen frühzeitig erkennen zu können, wird die Anlage von Hennef aus fernüberwacht. „Wir hatten einmal einen Stromausfall. Der sofort zu einer Störungsmeldung nach Hennef führte. Das Problem war aber schnell behoben und führte zu keiner Funktionsstörung der Anlage“, erläutert Joachim Anders.
Die Kosten für die Wasserhaltung liegen bei dieser Maßnahme bei etwa 10 Prozent des Gesamtkostenvolumens von etwa 1,4 Millionen Euro. Und nachdem die Anlage Ende Dezember nach rund zweieinhalb Monaten störungsfreiem Betrieb wieder abgebaut wurde, fiel das Fazit von Joachim Anders uneingeschränkt positiv aus: „Ich könnte mir rückblickend für dieses Bauvorhaben keine bessere Lösung für die Aufrechterhaltung der Vorflut denken.“
A. zu Eulenburg


> Dieser Artikel wurde in der bi-UmweltBau 1-2011 veröffentlicht.

 

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