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Stadt Bielefeld baut grabenlos

In Bielefeld nutzt man konsequent die Vorteile grabenloser Bauverfahren – zu Gunsten der Umwelt und zum Vorteil der Bürger. So wurde ein 637 Meter Schmutzwassersammler DN 800 im Vortriebsverfahren hergestellt.

Blick in die Startgrube zum Rohrvortrieb mit Steinzeugvortriebsrohren DN 800.

Von Rolf Begemann, UWB Bielefeld, Thomas Hüging, Braumann Spezialtiefbau, Bottrop und Franz Römer, Steinzeug Abwassersysteme, Frechen/Köln

Mit knapp 330.000 Einwohnern und einer Fläche von 258 Quadratkilometern gehört Bielefeld zu den 20 größten Städten Deutschlands. Die im Jahre 1214 vom Ravensberger Grafen Hermann als Kaufmannstadt gegründete Stadt hat sich über die Jahrhunderte hinweg am so genannten „leinenen Faden“ entlang zur Großstadt entwickelt. Sie präsentiert sich heute als Universitätsstadt und als lebendige wirtschaftliche und kulturelle Metropole des ostwestfälischen Wirtschaftraumes mit rund zwei Millionen Menschen.  

Ganz im Sinne der Bürger


Zum Erhalt und zur Entwicklung einer solch lebendigen wirtschaftlichen und kulturellen Metropole gehört selbstverständlich auch eine intakte unterirdische Infrastruktur, wie z.B. das Abwassersystem. Zuständig dafür ist der 'UWB Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld', der sich um dessen Wartung und reibungslosen Betrieb bemüht. So inspiziert er in jedem Jahr 100 km Kanalleitung, 1000 km Kanalleitung werden jedes Jahr gereinigt. Und bei 20 Mio. Kubikmeter Abwasser jährlich, die durch das insgesamt 1.836 km lange Kanalnetz der Stadt fließen, müssen selbstverständlich auch Leitungen saniert, oder neu gebaut werden. Auch hier handelt der Umweltbetrieb im Sinne der Bielefelder Bürger: Auf der Website der Stadt ist in Hinblick darauf u.a. zu lesen: „... Sie können jedoch sicher sein, dass wir so oft es möglich ist, grabenlos und unterirdisch bauen, um Verkehrsbehinderungen zu vermeiden...“.

Ökologisch ...

So startete der 'Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld' im Januar 2007 die Planung für den Neubau eines Schmutzwasserkanals DN 800  auf einer Länge von 637 m, da der vorhandene alte Kanal DN 500 hydraulisch überlastet war. Da die Rohrsohle max. bis zu ca. 5,60 m unter GOK lag und das Grundwasser im Durchschnitt ab ca. 1,80 m Aushubtiefe anstand, kam für die Erneuerung des Schmutzwasserkanals nur die grabenlose unterirdische Bauweise in Betracht. Das Bauvorhaben befindet sich in Wasserschutzzone III B, weshalb hier eine Grundwasserabsenkung nur in Teilbereichen zeitlich begrenzt erlaubt wurde. Zusätzlich zu diesem Schmutzwasserkanal plante die Stadt die knapp 87 m lange Teilstrecke eines Regenwasserkanals mit Betonrohren DN 1200 neu zu errichten.
Den Zuschlag für die Bauausführung erhielt nach einer öffentlichen Ausschreibung die ARGE Rohrvortrieb Winterstraße, bestehend aus den Unternehmen Kammann Kanal- und Straßenbau GmbH & Co. KG, Bad Laer, und Braumann Spezialtiefbau GmbH, Bottrop. Nach Einrichtung der Baustelle im Mai 2009 starteten im Juli 2009 die unterirdischen Vortriebsarbeiten im überwiegend fein- bis mittelsandigen Boden des Baufeldes; lediglich in zwei Pressgruben wurden Schluff und Geschiebelehm angetroffen. 637 m Steinzeug-Vortriebsrohre wurden in genau drei Monaten in einer durchschnittlichen Tiefe von 4,80 m und erreichten Haltungslängen zwischen 85 m und 130 m eingebaut. Der Vortrieb der Haltungen 1 bis 3 erfolgte aufgrund der sensiblen Baustellenlage in der Wasserschutzzone III in Kooperation mit dem Abwasserverband Obere Lutter.

… ökonomisch und sozial

Die abschließenden Druckprüfungen wurden haltungsweise mit Luft durchgeführt, die Dichtheit anhand von Kamerabefahrungen durch den Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld festgestellt.
Die gesamte Auftragssumme für die „Baumaßnahme Winterstraße“ belief sich auf ca. 1.330.000 €. Bezüglich der Finanzierung handelt die Stadt Bielefeld wiederum sehr vorbildlich: keine außerordentlichen Belastungen für die Bürger, sondern Finanzierung über die „ganz normal gezahlten“ Abwassergebühren. Die Abschreibungszeiten der Abwasserleitungen hat die Stadt mit 75 Jahren angesetzt.


> Dieser Artikel wurde in der bi-UmweltBau 1-2011 veröffentlicht.

 

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